Die kleinen Freuden…

….des Alltags:
Heute, genau um 11.30 Uhr, hat mein Langzeit-EKG aufgehört, die Stunden zu zählen. Seit gestern musste ich nämlich ärztlicherseits verordnet, ein solches Gerät mit mir herumtragen. Nicht nur das die Gürteltasche bei vielen Verrichtungen echt störend war, die vielen Hautkontakte und Leitungen und das Batteriekästchen haben auf der Haut geschrubbt und unschöne Muster eingedrückt.

Aber jetzt bin ich es los und geniesse die wiedergewonne Freiheit! :lachen:

Nachtrag: Nein, ich habe mir noch nicht einmal die Zeit für ein Foto genommen, so eilig hatte ich es, dieses Teil wieder loszuwerden!

Nachtrag

…zum „Kassenpatient“-Artikel:

Heute morgen lese ich in der Zeitung, dass die Deutschen laut einer neuen Studie viel zu oft zum Arzt gehen und in der Folge davon das Arzt-Patienten-Gespräch im Durchschnitt nicht länger als 7 Minuten dauert.

Kann es vielleicht (zumindest ein wenig) daran liegen, dass wir Deutschen ganz einfach von Arzt zu Arzt geschickt werden und für eine einigermaßen gesicherte Diagnose mindestens 3 Ärzte konsultiert werden müssen?

:ask:

Kassenpatient

Mir haben schon damals immer die Ohren geklingelt, wenn unsere allseits beliebte Gesundheitsministerin, Ulla Schmidt, ihren weltbrühmten Satz von den Lippen tropfen ließ: „Das medizinisch Notwendige und von der Solidargemeinschaft Bezahlbare wird auch weiterhin geleistet werden.“  

Man kann ja noch darüber hinweg hören, sofern man nicht direkt  Betroffener ist. Ganz anders sieht es aus, wenn man für sich selbst zumindest ein kleines Körnchen Wahrheit hinter dieser Aussage sucht.

Zu den Fakten:
Ich habe vor ca. 1 1/2 Jahren Schmerzen in der linken Schulter bekommen. Die wollten nicht nur nicht von selbst verschwinden, nein, sie wurden immer unerträglicher, so dass ich schließlich meinen Hausarzt aufsuchte. Nach einer einjährigen Odyssee vom Hausarzt zum Orthopäden über ein MRT (House-Fans wissen, was ich meine) bis zum einfachen Rötgen hat letztendlich ein von mir privat bezahlter Facharzt festgestellt, dass ich unter einem eingeklemmten Nerv litt. Er hat mir eine Kombinationsbehandlung von Heißluft-Massage-und Physiotherapie verschrieben, für die ich dann wiederum von meinem Hausarzt die entsprechende Überweisung erhielt und ich im Laufe eines 1/2 Jahres  relativ schmerzfrei wiederhergestellt worden bin.

So weit – so gut! :mrgreen:

Im Dezember 2008 bekam ich in der anderen Schulter (wie unpraktisch, wir haben 2 „Schultern“ )die gleichen Schmerzen. Ich bin also direkt zum Hausarzt gegangen, der mir allerdings keine Überweisung zum Physiotherapeuten ausschrieb (im November haben wir leider kein Kontingent mehr dafür zur Verfügung, d.h. die Krankenkasse übernimmt keine Leistungen mehr) sondern mich zum Chiropraktiker schickte, der mich nach eingehender Untersuchung zum Neurologen überwies. Schließlich müsse man sicherstellen, dass hier kein neurologischer Befund vorliegt. Den Termin beim Neurologen bekam ich natürlich erst Anfang Januar 2009.

Der Neurologe versicherte mir, dass kein neurologischer Befund vorliegt und überwies mich wieder zurück zum Hausarzt, mit dem mündlichen Bescheid, dass hier wohl nur eine physiotherapeutische Behandlung wirklich helfen könne. Wieder beim Hausarzt erklärte mir dieser, er könne mir keine Behandlung verschreiben, zuerst solle ich zu dem von mir privat finanzierten Orthopäden gehen, der mir dann ja sicher noch mal die heilsame Kombination „Heißluft+Massage+Physiotherapie“ verschreibt. Mit diesem Beleg soll ich dann wieder zu ihm zurückkommen und er wird dann die angeratene Behandlung verschreiben.

Und das alles ist völliger Ernst, keine Satire, es entspricht der reinen Wahrheit und nichts als der Wahrheit. :bluemad:

Irgendwann während all der Rumrennerei von Arzt zu Arzt und dem Lesen der uralten Zeitschriften in den Wartezimmern ist mir dann wieder einmal der Satz unserer Gesundheitsministerin eingefallen und ich habe mich gefragt:
Ist das wirklich alles medizinisch notwendig?
Wo bleibt  eine vernünftige Kosten-Nutzenrechnung?
Kann eine solche sinnlose Hin-und Herschickerei eines Patienten der Solidargemeinschaft als Bezahlbar zugemutet werden?

:why:

Nach dem letzten Arztbesuch war ich wirklich außer mir vor Zorn und muss jetzt erst einmal ein paar Nächte darüber schlafen bis ich mir einen erneuten Anlauf zur Überwindung des offenbar unvermeidbaren bürokratischen Abrechnungsaufwandes wieder zumuten kann!

Eine letzte Frage quält mich noch:
Ist das alles so umständlich und aufwendig, weil ich ein ganz normaler Kassenpatient bin?
Oder kann es möglich sein, dass trotz aller Beteuerungen unserer Politiker die Angelegenheit als „Privater“ einfacher und damit auch viel kostengünstiger hätte erledigt werden können? Vielleicht wäre ich dann sogar  schon wieder schmerzfrei und völlig gesund???

:wow:

So trifft man sich

Heute bin ich ganz brav zur Kontrolluntersuchung nochmal ins Krankenhaus zum Notfalldienst gegangen, damit der Verband gewechselt werden kann und man begutachten kann, ob es sich womöglich verschlimmert hat oder ob ich in die normale Behandlung beim Hausarzt bzw. Facharzt entlassen werden kann. :nice:

Diesmal war das Wartezimmer leer und nach wenigen Minuten wurde ich auch schon hereingerufen: Von einem deutschen Arzt! Und nicht nur das, nach einigen Augenblicken genauen Betrachtens sprach er mich freudig auf meinen Sohn an und teilte mir mit, dass er mit ihm zusammen die Schulbank gedrückt hat. Er erzählte über seinen Werdegang (inzwischen hat er schon 3 Dr.!!) und ist ebenfalls ziemlich oft beruflich in den USA. Auch an meine Tochter konnte er sich noch gut erinnern.

Es war wirklich ein seltsamer Zufall, denn gerade heute habe ich die alten Fotos auf meinem PC betrachtet, u.a. auch die diversen Schnappschüsse der Abiturfeier und des 10jährigen Treffens. Wir haben dann – wie heute üblich – die Emailadressen ausgetauscht und in der Hoffnung geschwelgt, dass etwas Zeit bleibt, um die ehemaligen Kontakte mal wieder aufzufrischen.

Beiläufig haben wir dann noch festgestellt, dass die Bursitis nicht schlimmer geworden ist, ich also nicht direkt unters Messer  muss! Es genügt vorerst, den Arm mit einem attraktiven Verband ruhig zu stellen und ggbf. das Gelenk röntgen zu lassen. :lachen:

Durch diesen kleinen Ausflug in die Vergangenheit hat sich der Besuch im Krankenhaus doch etwas freundlicher und persönlicher gestaltet und ich bin, mit einem Lächeln über die „guten,alten Zeiten“ wieder heimgefahren.

Bursitis

Bis gestern abend wusste ich überhaupt nichts von dieser Erkrankung! Natürlich hatte auch ich schon von einer Schleimbeutelentzündung gehört, besonders häufig im Zusammenhang mit Knieverletzungen. Aber nie ist mir eingefallen, dass es auch mich einmal erwischen könnte.

Die Kurzfassung hört sich so an:
Seit ca. 3 Wochen habe ich am Ellenbogen eine schmerzende Stelle, genaues Betrachten hat keine äußerlichen Symptome gezeigt und ich ging davon aus, dass ich mich irgendwo angestoßen habe und es halt nun weh tut, aber eben doch heilt! Gestern abend, bei einem Telefonat mit der Besten aller Töchter  bemerkte  ich plötzlich so ein mulmiges, weiches Gefühl am Ellenbogen, ein Abtasten der betroffenen Stelle machte klar, dass das Gelenk sehr heiß und stark angeschwollen ist. Nach dem Telefonieren bin ich dann zum Spiegel gegangen und habe mir  meinen Arm  angeschaut und festgestellt, dass dort ein sehr unschöner, dicker Beutel hängt!

Sehr kurzfristig habe ich dann auf Drängen der Besten aller Freundinnen eingewilligt, den Notfalldienst im Krankenhaus aufzusuchen. Immerhin sprechen wir hier von Samstag abend, wirklich eine der Zeiten, wo Du medizinische Versorgung hier in unserem Deutschland mit der Lupe :peer: suchen musst!
Im Wartezimmer saßen 8 Personen (es hat sich dann Gottseidank herausgestellt, dass die Hälfte Begleitpersonen waren) und ich wurde als erstes darüber informiert, dass zur Zeit kein Arzt zur Verfügung steht, da er einen Hausbesuch macht. Die Wartezeit haben sich dann alle Anwesenden damit verkürzt, die jeweiligen Beschwerden zu schildern und launige Berichte über das deutsche Gesundheitswesen und die Versorgung und Betreuung in einem Notfall auszutauschen. Auffallend oft wurde darüber berichtet, wie man als hilfesuchender Patient  ganz einfach weitergeschickt wird und dass es am Wichtigsten ist, dass Du Deine Versichertenkarte UND die 10 Euro dabei hast, ohne das läuft gar nichts! :cry:

Nach einer guten  3/4 Stunde Wartezeit (die ersten Patienten warteten schon über 1 Stunde!!)erschien dann auch der Arzt wieder und die Abfertigung ging dann doch überraschend flott. Natürlich handelte es sich nicht um einen deutschen Arzt und ich habe mich wieder einmal darüber gewundert, dass es offensichtlich in Deutschland nur noch ganz wenige deutsche Ärzte gibt. Vermutlich sind die alle ausgwandert in Länder, in denen es ihnen besser :mrgreen: geht.
Als ich dann dran war und nach Erledigung der Formalitäten (Versichertenkarte und 10 Euro mit Quittung) stellte er sofort besagte Bursitis fest, punktierte mit einer sehr schmerzhaften Spritze die Schwellung, zeigte mir stolz die Flüssigkeit, die er abgesaugt hatte und verband mir dann den Arm vom Oberarm bis in die Hand hinein. Das bedeutete, er hatte mich richtig lahm gelegt, was auch seine Absicht war, denn der Arm sollte stillgelegt werden. Jetzt muss ich heute noch mal ins Krankenhaus zur sogenannten Wiederversorgung und Kontrolle und dann darf ich wahrscheinlich morgen direkt zum Hausarzt und von dort aus zum Facharzt dackeln. :devil:

Dieses Wochenende hatte ich mir wirklich so nicht vorgestellt! :sick: