Schoko-Variationen

Schokoladensenf, Löffelschokolade, Badeschokolade, Schokomassage, Schokoladenbalsamico und Schokoladen-Fußbälle (derzeit ein Renner!!!), den Verführungskünsten scheint keine Grenze gesteckt zu sein! Auf der Hitliste ganz oben stehen heute Schokoladen, denen in die Grundmasse Aromastoffe und Gewürze wie beispielsweise Chili, Zimt, Schwarzer Pfeffer oder sogar Thymian beigemengt wurden und Luftschokolade, eine Sonderform, die zahlreiche kleine Gasblasen enthält.

Alle Jahre wieder vor Ostern, vor Weihnachten und in der gesamten Adventszeit, die im Einzelhandel Mitte September beginnt, sind vermehrt Studien über den gesundheitlichen Nutzen des süßen Naschwerks zu lesen. Das ist verbrauchernahe Wissenschaft, Forschung aus dem Alltag, von Menschen für  Menschen.

Vergleichbar überzeugend und lebensnah sind allenfalls die Untersuchungen über die segensreichen Wirkungen des Weines. Sie stammen oft von Forschergruppen aus dem Bordeaux, dem Chianti, dem Napa Valley oder von Mosel, Saar, Ruwer.

Dem Trend zur Kuschel- und Wohlfühlmedizin kommt diese Forschung ebenfalls entgegen. Der stinknormale Verbraucher, den ständig sein Klimagewissen packt, der schadstofffrei schlafen und fair einkaufen will, kann schließlich mittlerweile nur noch moralisch rückstandsfrei konsumieren, wenn er dabei Genuss, Gesundheit und Globalisierungskritik verbindet.

Der Fachhandel für den Sinnsucher hat diese Marktlücke längst entdeckt. Immer mehr Weinhändler haben Schokolade im Angebot und laden zu Verkostungen von Trauben und Tafeln.

Auf einigen Schokoladenverpackungen wird bereits angegeben, zu welchen Weinlagen sie gut passen. Auch das Vokabular gleicht sich an. Kenner  schwärmen vom Terroir, auf dem die Schokobohnen wachsen und loben den erdigen Abgang einer schweren, mexikanischen Noisette-Lage.

Schon  träumen Gourmetschwätzer vom „barocken Reich der unbegrenzten Möglichkeiten zwischen zartem Schmelz und Bacchus‘ Freuden“. Auch von ersten Selbsthilfegruppen der vinophilen Schokoholics wird berichtet. Es war schon immer etwas Besonderes, sich eine exklusive Sucht leisten zu  können.

Allerdings kann man viel falsch machen. Passt Merlot wirklich nur zu edelherb? Sollte man Kinderschokolade oder Joghurette ebenso verschmähen wie die Barrique-Schreinerweine mit den zugesetzten Holzspänen oder ergänzt sich beides trefflich? Was ist mit Mischprodukten wie Schoko-Crossies, After Eight oder Toffifee? Passt Nutella-Brot zum Dessert-Wein?

Auch handwerklich passieren Fehler. Die Schokolade muss im Mund angefangen haben zu schmelzen, bevor der Wein nachgefüllt wird. Speziell bei gekühlten Weinen kann sonst die Schokolade verklumpen, was die Aromenbildung beider Komponenten einschränkt. Ob Schokoklumpen den schützenden Effekt auf Herz und Gefäße abmildern, muss die Wissenschaft noch untersuchen. Entsprechende Studien könnten bald fertig sein, werden aber bis kurz vor Weihnachten oder bis nächstes Jahr Ostern  zurückgehalten. Bis dahin verbleibt noch ein wenig Zeit, in der man entweder dem Schokoladengenuss endgültig entsagt oder nur in Form von Schokoladeneis, Schokoladeneispralinen, Schokoladenmousse oder Schokoladenlikör erliegt.

:superessen:

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