4-Länder-Trip (Teil 4)

Gleich nach dem Frühstück sind wir gestartet, immerhin hatten wir heute eine ca. 500 km lange Strecke bis nach Temesvar (oder auch Timisoara) in Rumänien vor uns. Bis an die Grenze ging es auch sehr zügig und nach dem uns der rumänische Zoll (etwas lasch und gelangweilt) befragt und durchsucht hat waren wir endlich in Rumänien. Von da an ging es etwas langsamer, denn in Rumänien gibt es keine Autobahnen! Dank der reichlich geflossenen EU-Gelder werden die schmalen Landstraßen jetzt (offenbar alle auf einmal) ausgebessert bzw. neu asphaltiert. Die Straßen sind überfüllt, denn alles, aber auch wirklich alles, wird mit dem Auto, mit Bussen und mit riesigen Lkw’s durchs Land befördert. Rechts und links sieht man gigantisch große Maisfelder, alle mit dem Gen-Mais-Warnschild versehen und wir haben auch die neu erbauten Biogas-Anlagen gesehen. Die früher in riesigen Hallen betriebene Viehzucht wurde offenbar aufgegeben, diese Hallen mit den dazugehörigen Länderein stehen verlassen da und man wartet offensichtlich auf den „natürlichen Verfall“! :unhappy:

Selbstverständlich bewegen sich zwischen all den Blechkarawanen auch die uns im Fernsehen immer wieder gern gezeigten alten, von einem Pferd gezogenen Ackerwagen, auf dem Kutschbock eine alte Frau  und ein noch älterer Mann, die völlig ungerührt mit ihrem 1 PS dahinzockeln. Die Romantik (sanfte Musikunterlegung, friedliche, verlassene Straßen etc.) fehlt allerdings völlig. :whistler:

In den wie Perlen aufgereihten, kleinen Ortschaften sieht man kaum eine Menschenseele. Tausende von Pflaumenbäumen, erntereif und so schwer, dass die Äste am Boden liegen) säumen den Weg, aber keiner pflückt diese Früchte.

Die Bahnübergänge sind unbeschrankt, ein andauerndes Sirenengeheul, verbunden mit einer großen Lichtanlage, reichen als Warnung völlig aus.   :devil:

Wir hatten auch weiterhin Glück mit dem Wetter. Kein Regen, nicht eine einzige Wolke trübte den Himmel und die Sonne konnte ungehindert herunterbrennen, so dass wir bei ca. 35 ° (ohne Schatten) in Temesvar ankamen. Temesvar ist die zweitgrößte Stadt im Banat, eine Stadt voller Grünanlagen und mit viel Geschichte.

Unser Hotel war einfach toll, wir haben im 11.Stock logiert und einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt genossen. Die wunderschönen Kirchtürme, die alten Fassaden und auch die Plattenbauten, alles lag zu unseren Füßen. Es war empfehlenswert,  den Blick beim Gehen aufmerksam zu Boden zu richten, damit man nicht über die notorischen Schlaglöcher und alten, aufgerissenen Asphalt stolpert. Wenn man allerdings stehenblieb und sich umschaute, entdeckte man, dass die Fülle der historischen Gebäude offenbar immer noch einen erheblichen Renovierungsstau ertragen müssen! So viel Schönes, einmalige Architektur, hier verfällt sie, hier lässt man den eifrig nagenden Zahn der Zeit ganze Arbeit tun. :think:

Timisoara liegt heute nicht mehr am Fluss Timis, sondern an der Bega, welche die Stadt immer wieder durchzieht. An der Bega wird überall gemalt, Boot gefahren und gepicknickt. Auch wir haben eine kleine Auszeit am Ufer genommen und eifrig trainierenden Kanufahrern zugeschaut.

Wir haben das ehemals wunderschöne und berühmte Kloster Maria Radna besichtigt. Hier sprechen meine Bilder sicher für sich. :tears:

Auch nach Arad haben wir einen kleinen Ausflug gemacht und ich habe mich wieder einmal gewundert, wie man durch Werbung (an der Fassade der wunderschönen Oper) und Hongkong-Imbissläden und Souvenirartikeln aus Asien direkt in den zur Kirche gehörenden Gebäuden einen solchen Missbrauch an architektonischen Kostbarkeiten verüben kann.

Die Tour in die Karpaten wurde uns leider durch ein  ausgerechnet an demWochenende stattfindenden Rockkonzert vermasselt. Statt stiller Naturschönheiten pflügte eine Karawane Autos durch die Wälder, auf der Suche nach einem Park- und Campingplatz. Da haben wir uns still und heimlich wieder zurückgezogen. Gottseidank konnte man am nächsten Tag nur sagen, denn ein sehr heftiges Unwetter hat alle Besucher samt ihren fortfliegenden Zelten wieder den Berg runter gejagt.

Wir haben dann noch ein paar inzwischen verlassene Stätten aus Monikas Kinder-und Jugendtagen besichtigt und sind dann – mit ein wenig Wehmut, aber doch voll freudiger Erwartung nach Budapest gestartet.

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